Gestaltung der Dauerausstellung im Karl Schmidt-Rottluff Haus Chemnitz











Gestaltung der Dauerausstellung im Karl Schmidt-Rottluff Haus Chemnitz
02.2022 - 04.2025
Kuratorin: Dr. Sabine Maria Schmidt, Grafische Gestaltung: Kirstin Römer
Fotos
Karsten Weber Studio
Spannend wird es immer dann, wenn kulturgeschichtliche Bezüge zwischen dem Osten und Westen des Vor- und Nachkriegsdeutschlands sichtbar werden. In Chemnitz wurde im Frühjahr das Elternhaus des dort geborenen Künstlers Karl Schmidt-Rottluff renoviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Obwohl Schmidt-Rottluff selbst nur während der Kriegsjahre in diesem Haus lebte, markiert es einen biografischen Ausgangspunkt: Der junge Künstler tauschte das Erbe der elterlichen Mühle gegen ein Leben in der Kunst ein. Neben dieser biografischen Dimension bietet die Präsentation der kunsthandwerklichen Arbeiten Schmidt-Rottluffs ein neues, bislang kaum bekanntes Kapitel seines Schaffens.
In seinen Entwürfen mit Holz und Metall orientierte sich Schmidt-Rottluff an der Philosophie der Materialgerechtheit, wie sie von Künstlern des Deutschen Werkbunds entwickelt wurde. Seine Objekte sollten gut gestaltet, funktional und gebrauchsfähig sein – ohne dekorative Überformung oder die Vortäuschung kostbarer Materialien. Die ästhetische Veredelung lag in der künstlerischen Bearbeitung selbst. Schmidt-Rottluff überließ die Ausführung seiner Arbeiten nicht spezialisierten Handwerkern, sondern arbeitete eigenhändig mit Holz und Metall. Die handwerklich sichtbare Oberfläche, unregelmäßige Schnitzspuren und einfache konstruktive Lösungen verleihen seinen Arbeiten eine charakteristische, unverstellte Authentizität.
Schmidt-Rottluff blieb dieser Haltung auch in den Kriegsjahren in Chemnitz treu; nach 1945 lebte er in West-Berlin. In der DDR hingegen fanden die Ideale des Werkbunds in Hellerau eine eigenständige Fortführung. Der Architekt und Designer Selman Selmanagić war dabei eine zentrale Figur. Als prägender Gestalter der DDR stand er in enger geistiger Nähe zu den Deutschen Werkstätten Hellerau, die die Prinzipien der Materialgerechtigkeit und funktionalen Gestaltung in den industriellen Möbelbau der Nachkriegszeit überführten.
Ich freue mich, dass wir die Ausstellung in Zusammenarbeit mit den Kunstsammlungen Chemnitz gestalten und einrichten durften. Wir orientierten uns dabei an der zitierten Philosophie der Materialgerechtheit. Vitrinen, Tische und Hocker sind – wie es einst für ein Landhaus üblich war – aus Fichtenholz gefertigt. Über ihre reine Gebrauchsfunktion hinaus enthalten sie dekorative Elemente: hölzerne Reliefs und farbige Flächen in Schubladen und Innenwänden. Diese künstlerischen Eingriffe bis hin zur grafischen Gestaltung erzeugen im Gesamteindruck eine ortsspezifische Handschrift – einen persönlich gestalteten Hintergrund für das kunsthandwerkliche Werk von Karl Schmidt-Rottluff.
Zwei von Selman Selmanagić entworfene Sessel ergänzen die Präsentation und veranschaulichen das fortgeführte Erbe der Werkbund-Tradition in der DDR. Sie stehen für ein ehrliches, materialgerechtes Design, das die Verbindung von Kunst, Handwerk und industrieller Fertigung in die Nachkriegsmoderne überträgt.
Karsten Weber Studio
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